Du willst deine Immobilie verkaufen, aber der Kredit läuft noch 5 Jahre? Oder du möchtest umschulden, weil die Zinsen gefallen sind? In beiden Fällen droht die Vorfälligkeitsentschädigung – und sie kann Tausende bis Zehntausende Euro betragen.

Was ist die Vorfälligkeitsentschädigung?

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Durchschnittliche Nettomietrendite DE: 3,2 % (2026) (Stand: April 2026)
  • Gute Rendite ab: 4,0 % netto (Stand: April 2026)
  • Kaufpreisfaktor Deutschland-Ø: 23,4x (Stand: April 2026)
  • Leerstandsquote bundesweit: 2,8 % (Stand: April 2026)
  • Inflationsschutz: Immobilien langfristig +1,5 % real p.a. (Stand: April 2026)
Vorfälligkeitsentschädigung: Was Vermieter zahlen müssen

Wenn ein Immobilienkredit vor dem Ende der vereinbarten Zinsbindungsfrist zurückgezahlt wird, entsteht der Bank ein Zinsschaden. Diesen darf sie als Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) in Rechnung stellen. Die Bank berechnet, welche Zinsen sie verloren hat – und fordert diesen Betrag vom Kreditnehmer.

Wann fällt die VFE an?

Vorfälligkeitsentschädigung: Was Vermieter zahlen müssen
Praxis-Tipp

Rechnen Sie immer mit der Nettorendite, nicht mit der Bruttomietrendite. Die tatsächlichen Kosten (Verwaltung ca. 5 %, Instandhaltung 1 €/m²/Monat, Leerstand 3 %) fressen 1–2 Prozentpunkte. Wer nur die Bruttorendite betrachtet, kauft oft schlechter als gedacht.

  • Verkauf der Immobilie während der Zinsbindung
  • Vorzeitige Umschuldung zu günstigeren Konditionen
  • Vollständige Sondertilgung während der Laufzeit
  • Scheidung mit Teilung der Immobilie

Kein VFE: Nach Ablauf der Zinsbindung (z.B. 10-Jahres-Kredit komplett durchgelaufen), nach 10 Jahren Laufzeit (§ 489 BGB – Sonderkündigungsrecht), bei Kreditnehmertod.

Wie wird die VFE berechnet?

Vorfälligkeitsentschädigung: Was Vermieter zahlen müssen

Banken nutzen eine von zwei Methoden:

  • Aktiv-Aktiv-Methode: Vergleich mit einem neuen Kredit – was verdient die Bank, wenn sie das Kapital anderweitig verleiht?
  • Aktiv-Passiv-Methode: Vergleich mit einer risikolosen Anlage (Bundesanleihe) – häufig zugunsten der Bank

Konkret: Je höher der Originalzins, je länger die Restlaufzeit und je niedriger das aktuelle Zinsniveau – desto höher die VFE.

Beispielrechnung

Vorfälligkeitsentschädigung: Was Vermieter zahlen müssen

Kredit: 200.000 € | Originalzins: 3,5 % | Aktueller Marktzins: 2,5 % | Restlaufzeit: 5 Jahre

  • Zinsdifferenz p.a.: 1,0 % × 200.000 € = 2.000 €
  • Über 5 Jahre (grob): ~9.500 € (barwertberechnet mit Abschlag)
  • Dazu Bearbeitungsgebühren und Marge: meist +10–20 %
  • VFE gesamt: ca. 10.000–12.000 €

VFE prüfen und anfechten

Banken berechnen VFE nicht immer korrekt. Studien zeigen: In bis zu 80 % der Fälle enthält die Berechnung Fehler zugunsten der Bank. Möglichkeiten:

  • VFE-Berechnung schriftlich anfordern (gesetzliches Recht)
  • Von Verbraucherzentrale oder Anwalt prüfen lassen
  • Bei Fehler: Rückforderung möglich (teils verjährt nach 3 Jahren)

VFE vermeiden: So planst du richtig

Vorfälligkeitsentschädigung: Was Vermieter zahlen müssen
  • Sondertilgungsrecht vereinbaren: 5–10 % jährlich kostenfreie Sondertilgung im Kreditvertrag festschreiben
  • Kürzere Zinsbindung wählen: 5 oder 10 statt 20 Jahre – bei geplanten Veränderungen
  • Forward-Darlehen nutzen: Bei Verkaufsabsicht in 2–3 Jahren schon jetzt Anschlussfinanzierung sichern
  • 10-Jahres-Kündigungsrecht nutzen: Nach 10 Jahren Laufzeit kann der Kredit mit 6 Monaten Frist kostenlos gekündigt werden (§ 489 BGB)

Mehr zur Finanzierung: Anschlussfinanzierung | Tilgungsplan berechnen | Sondertilgung sinnvoll?

Immobilien vs. andere Kapitalanlagen

AnlageformRendite Ø p.a.RisikoLiquidität
Immobilien (vermietet)3–6 % nettomittelsehr gering
ETF-Depot (MSCI World)6–9 % historischmittel-hochsehr hoch
Tagesgeld 2026ca. 2,5 %sehr geringsofort
Festgeld (2 Jahre)ca. 2,8–3,2 %sehr geringgering
REITs (Immobilien-ETF)4–7 %mittelhoch

Die Renditelandschaft in Deutschland hat sich seit 2020 stark verändert. Während Metropolen wie München und Hamburg weiterhin Nettomietrenditen von unter 3 % bieten, erfahren B-Städte wie Leipzig, Nürnberg und Dresden eine Renaissance unter Kapitalanlegern. Der Rückgang der Kaufpreise 2022/23 hat die Einstiegsbedingungen verbessert — wer in dieser Phase gekauft hat, profitiert heute von besseren KPFs. Für 2026 gilt: Rendite-Fokus auf B-Städte mit Bevölkerungswachstum, nicht auf teure Metropolen mit negativem Cashflow.