Warum die Hochzinsphase kein Kaufstopp-Argument ist

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Notarkosten + Grundbuch: ca. 1,5–2,0 % des Kaufpreises (Stand: April 2026)
  • Grunderwerbsteuer: 3,5–6,5 % (je nach Bundesland) (Stand: April 2026)
  • Maklerprovision (geteilt seit 2020): je 1,5–3,57 % (Stand: April 2026)
  • Dauer Grundbuchübertragung: ca. 6–12 Wochen nach Notar (Stand: April 2026)
  • Auflassungsvormerkung: schützt ab Tag des Notartermins (Stand: April 2026)
Immobilien kaufen in der Hochzinsphase: Strategien für 2025–2026

Seit 2022 haben sich die Bauzinsen von unter 1 % auf 3,5–5 % erhöht. Das hat viele Investoren verunsichert und den Markt kurzfristig belastet. Aber historisch gesehen sind 3,5–4 % Bauzinsen nicht hoch — sie entsprechen dem langfristigen Durchschnitt der letzten Jahrzehnte. Die Nullzinsphase war die Ausnahme, nicht die Regel. Wer jetzt kauft, kauft zu "normalen" Zinskonditionen. Wer gewartet hatte bis "die Zinsen fallen", hat möglicherweise 2–3 Jahre verpasst und zahlt jetzt höhere Preise für die gleichen Objekte.

Strategie 1: Cash-Flow-positiv kaufen oder gar nicht

Immobilien kaufen in der Hochzinsphase: Strategien für 2025–2026
Praxis-Tipp

Lassen Sie die Immobilie vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen (ca. 500–1.000 €). Das ist bei gebrauchten Objekten Pflicht. Typische Baumängel die Gutachter finden: Feuchtigkeit im Keller, Schimmel hinter Verkleidungen, Risse im Fundament. Ein Gutachten kann den Kaufpreis um 10.000–50.000 € senken.

Bei 3,5–4 % Zinsen musst du strenger auf den Cash-Flow achten als in der Niedrigzinsphase. Kaufe nur Objekte wo der Cash-Flow nach Finanzierung, Verwaltung und Instandhaltung positiv oder zumindest ausgeglichen ist. Das bedeutet in der Praxis: Kaufpreisfaktoren unter 18–20 in den meisten deutschen Märkten. In Hochpreismärkten (München, Frankfurt) ist Cash-Flow bei aktuellen Zinsen kaum noch möglich — das ist ein ehrliches Kaufargument. Nutze den Cashflow-Rechner für alle Szenarien.

Strategie 2: Höhere Tilgung für Zinsrisikominimierung

Immobilien kaufen in der Hochzinsphase: Strategien für 2025–2026

Wähle eine Tilgungsrate von 3–4 % statt der üblichen 1–2 %. Das erhöht die monatliche Rate, aber du bist schneller schuldenfrei und trägst weniger Zinsrisiko bei der Anschlussfinanzierung in 10–15 Jahren. Bei einem 200.000-Euro-Kredit mit 3,5 % Zins: 1 % Tilgung = 750 Euro/Monat, 3 % Tilgung = 1.083 Euro/Monat. Der Unterschied: 333 Euro/Monat mehr, aber du bist 10+ Jahre früher schuldenfrei und zahlst deutlich weniger Gesamtzinsen. Strategie 3: Variable Zinsbindung erwägen. Wenn du glaubst dass Zinsen fallen, wähle kürzere Zinsbindung (5–7 Jahre) statt 15–20 Jahre. Aber: Das ist eine Wette auf Zinsentwicklung. Mehr: Zinsbindung: Wie lange?

Hochzinsphase als Käufer nutzen: Die Chance im Risiko

Immobilien kaufen in der Hochzinsphase: Strategien für 2025–2026

Die Hochzinsphase hat einen positiven Nebeneffekt für Käufer: Weniger Konkurrenz. In der Niedrigzinsphase 2019–2021 haben sich auf beliebte Objekte oft 30–50 Interessenten beworben und den Preis hochgeboten. Heute — mit höheren Zinsen — gibt es weniger Bieter und Verkäufer müssen Preise anpassen. Das schafft Verhandlungsspielraum den es vorher nicht gab. Wer in der Hochzinsphase kauft, kauft oft zu günstigeren Preisen als in der Niedrigzinsphase — was die höheren Zinsen teilweise kompensiert. Und wenn Zinsen in 5–10 Jahren wieder fallen: Anschlussfinanzierung zu besseren Konditionen senkt die Rate nachträglich. Das ist eine faire Ausgangslage für geduldige Investoren. Für Szenarien: Zinsentwicklung Prognose.

Wichtige Infos für Käufer: Grunderwerbsteuer nach Bundesland | AfA-Abschreibung

Weitere Strategien: Mietrendite vs. Wertsteigerung | Portfolio-Strategie | Cashflow-Strategie

Kaufnebenkosten nach Bundesland

BundeslandGrunderwerbsteuerGesamte Nebenkosten Ø
Bayern3,5 %ca. 7–9 %
Sachsen3,5 %ca. 7–9 %
Hamburg4,5 %ca. 8–10 %
Hessen6,0 %ca. 10–12 %
NRW / Brandenburg6,5 %ca. 10–13 %

Der Markt hat sich seit 2022 zugunsten der Käufer verschoben. Preisverhandlungen von 5–15 % sind in vielen Regionen wieder möglich — besonders bei sanierungsbedürftigen Objekten oder länger am Markt stehenden Angeboten. 2026 sind die Chancen für Kapitalanleger besser als seit Jahren: niedrigere Preise als 2021/22, leicht gesunkene Zinsen, und ein strukturelles Wohnungsdefizit das die Mietpreise stützt. Wer jetzt qualitätsbewusst kauft, investiert in ein window of opportunity.