Die Eigenbedarfskündigung ist das schärfste Instrument, das Vermietern gegenüber Mietern zur Verfügung steht – und gleichzeitig das sensibelste. Wer hier formale Fehler macht oder den Bedarf nicht klar nachweisen kann, riskiert eine unwirksame Kündigung und teure Gerichtsverfahren.

Was ist Eigenbedarf?

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Mietpreisbremse: max. 10 % über Mietspiegel bei Neuvermietung (Stand: April 2026)
  • Kappungsgrenze Mieterhöhung: 20 % in 3 Jahren (ggf. 15 %) (Stand: April 2026)
  • Mietkaution: max. 3 Nettokaltmieten (Stand: April 2026)
  • Kündigungsfrist Vermieter (> 8 J.): 9 Monate (Stand: April 2026)
  • Betriebskostenabrechnung: spätestens 12 Monate nach Periode (Stand: April 2026)
Eigenbedarfskündigung: Rechte, Fristen und Fallstricke

Eigenbedarf liegt vor, wenn der Vermieter die Wohnung für sich selbst, seine Familienangehörigen oder Haushaltsangehörige benötigt. Unter Familienangehörige fallen:

  • Kinder und Eltern
  • Geschwister
  • Nichten und Neffen
  • Schwiegereltern
  • Lebensgefährte (wenn Haushaltsgemeinschaft besteht)

Nicht berechtigt: Cousins, Bekannte, Arbeitskollegen, Geschäftspartner.

Voraussetzungen für eine wirksame Kündigung

Eigenbedarfskündigung: Rechte, Fristen und Fallstricke
Praxis-Tipp

Dokumentieren Sie den Wohnungszustand bei Einzug lückenlos mit Fotos und einem unterschriebenen Übergabeprotokoll. Im Streitfall gilt: Wer keinen Beweis hat, trägt das Risiko. Normale Abnutzung (Kratzer, verblasste Tapeten) zahlt grundsätzlich der Vermieter — nicht der Mieter.

  1. Echter Bedarf: Der Bedarf muss tatsächlich und vernünftigerweise bestehen – nicht nur vorgetäuscht. Ein Zimmer in einer WG reicht nicht als Begründung.
  2. Keine andere freie Wohnung: Hat der Vermieter mehrere Objekte, muss er prüfen, ob der Bedarf nicht durch eine andere freie Einheit gedeckt werden kann.
  3. Schriftliche Kündigung mit Begründung: Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und die Person, die einziehen soll, sowie die Gründe benennen.
  4. Korrekte Kündigungsfristen: Je nach Mietdauer: 3, 6 oder 9 Monate.

Kündigungsfristen im Überblick

Eigenbedarfskündigung: Rechte, Fristen und Fallstricke
MietdauerKündigungsfrist
Bis 5 Jahre3 Monate
5–8 Jahre6 Monate
Über 8 Jahre9 Monate

Die Kündigung muss spätestens am 3. eines Monats zugehen, um zum Ende des übernächsten Monats wirksam zu sein.

Häufige Fehler bei der Eigenbedarfskündigung

Eigenbedarfskündigung: Rechte, Fristen und Fallstricke
  • Vortäuschung: Wer Eigenbedarf vortäuscht, macht sich schadensersatzpflichtig – der Mieter kann Umzugskosten und Mehrkosten für neue teurere Wohnung geltend machen
  • Unklare Begründung: "Ich brauche die Wohnung für meine Familie" reicht nicht. Name und Verwandtschaftsgrad müssen rein, Bedarf muss konkret sein
  • Sperrfrist nach Umwandlung ignorieren: Wenn eine Mietwohnung in Eigentum umgewandelt und verkauft wird, gilt eine Sperrfrist von 3–10 Jahren für Eigenbedarfskündigungen
  • Soziale Härte übersehen: Mietern mit Behinderung, Schwangeren, sehr alten oder schwer erkrankten Mietern kann eine Kündigung aufgrund sozialer Härte verweigert werden

Sperrfrist – besonders wichtig für Kapitalanleger

Wer eine bisher vermietete Wohnung als Kapitalanlage kauft und später selbst einziehen will, muss die Sperrfrist kennen: Nach Umwandlung in Eigentumswohnung und Veräußerung gilt in vielen Bundesländern eine Sperrfrist von mindestens 3 Jahren, oft bis zu 10 Jahren. In angespannten Wohnungsmärkten (Milieuschutzgebiete) kann sie faktisch unbegrenzt sein.

Checkliste: Eigenbedarfskündigung richtig aussprechen

Eigenbedarfskündigung: Rechte, Fristen und Fallstricke
  • ☐ Person, die einzieht, namentlich nennen + Verwandtschaftsgrad angeben
  • ☐ Konkrete Begründung (warum diese Wohnung, warum jetzt)
  • ☐ Prüfen: Gibt es andere freie Wohnungen im Bestand?
  • ☐ Sperrfrist prüfen (Kauf-Datum der Immobilie, Umwandlungszeitpunkt)
  • ☐ Kündigungsfrist korrekt berechnen
  • ☐ Schriftlich per Einschreiben mit Rückschein zustellen
  • ☐ Soziale Härte des Mieters vorab einschätzen

Im Zweifel: Anwalt für Mietrecht konsultieren, bevor die Kündigung rausgeht. Ein Fehler kostet mehr als ein Anwaltshonorar.

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Kündigungsfristen — was gilt wann?

KündigungsgrundGesetzliche GrundlageFrist
Mieter (ordentlich)§ 573c BGBImmer 3 Monate
Vermieter: Wohndauer < 5 Jahre§ 573c BGB3 Monate
Vermieter: Wohndauer 5–8 Jahre§ 573c BGB6 Monate
Vermieter: Wohndauer > 8 Jahre§ 573c BGB9 Monate
Eigenbedarf§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGBWie oben, benötigt Begründung
Zahlungsverzug (fristlos)§ 543 Abs. 2 Nr. 3 BGBSofort (bei 2 Monatsmieten Rückstand)
BGH-Urteil zur Eigenbedarfskündigung

Der BGH (Az. VIII ZR 127/17) hat klargestellt: Eine vorgäustäuschte Eigenbedarfskündigung verpflichtet den Vermieter zu Schadensersatz. Der Mieter hat Anspruch auf alle zusätzlichen Umzugs- und Wohnkosten. Eigenbedarf muss konkret und nachweisbar sein — abstrakte Pläne genügen nicht.

Das deutsche Mietrecht schützt Mieter stark — aber Vermieter haben bei korrekter Vorgehensweise deutlich mehr Rechte als oft gedacht. Die WEG-Reform 2020 hat Modernisierungen einfacher gemacht. Die Mietpreisbremse bleibt 2026 in den meisten Ballungsräumen aktiv. Der größte Fehler vieler Vermieter: unzureichende Dokumentation. Wer Einzugsprotokoll, Bonitätsprüfung und Mietvertrag korrekt aufsetzt, hat im Streitfall fast immer die besseren Karten.