Die 1-Prozent-Regel ist eine Faustregel aus dem amerikanischen Immobilieninvestment: Die monatliche Kaltmiete sollte mindestens 1 % des Kaufpreises betragen. Klingt simpel – aber gilt das noch in deutschen Großstädten?

Was bedeutet die 1-%-Regel?

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Durchschnittliche Nettomietrendite DE: 3,2 % (2026) (Stand: April 2026)
  • Gute Rendite ab: 4,0 % netto (Stand: April 2026)
  • Kaufpreisfaktor Deutschland-Ø: 23,4x (Stand: April 2026)
  • Leerstandsquote bundesweit: 2,8 % (Stand: April 2026)
  • Inflationsschutz: Immobilien langfristig +1,5 % real p.a. (Stand: April 2026)
Die 1-Prozent-Regel bei Immobilien: Was sie bedeutet und ob sie noch gilt

Konkret: Kaufpreis 200.000 € → Monatsmiete mindestens 2.000 €.

Das entspricht einer Brutto-Jahresrendite von 12 % (2.000 × 12 / 200.000). Diese Rendite ist in Deutschland praktisch nirgendwo in Großstädten erreichbar. In deutschen Märkten spricht man daher oft von der 0,5-%-Regel als Mindestziel.

Zusammenhang mit der Bruttorendite

Die 1-Prozent-Regel bei Immobilien: Was sie bedeutet und ob sie noch gilt
Praxis-Tipp

Rechnen Sie immer mit der Nettorendite, nicht mit der Bruttomietrendite. Die tatsächlichen Kosten (Verwaltung ca. 5 %, Instandhaltung 1 €/m²/Monat, Leerstand 3 %) fressen 1–2 Prozentpunkte. Wer nur die Bruttorendite betrachtet, kauft oft schlechter als gedacht.

Monatsmiete / KaufpreisEntspricht Bruttorendite
1,0 %12,0 %
0,7 %8,4 %
0,5 %6,0 %
0,4 %4,8 %
0,3 %3,6 %

In Berliner Toplagen erreichen viele Objekte nur noch 0,25–0,30 % monatlich – das entspricht 3–3,6 % Bruttorendite. Nach Kosten oft 1,5–2 % netto.

Gilt die Regel noch in Deutschland?

Die 1-Prozent-Regel bei Immobilien: Was sie bedeutet und ob sie noch gilt

In den Top-7-Städten (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Köln): Nein. Typische Werte: 0,25–0,40 %. In B- und C-Städten sowie ländlichen Lagen: Ja, teilweise erreichbar:

  • Chemnitz, Halle, Bremerhaven, Pirmasens: 0,6–0,9 % oft möglich
  • Kleinere Städte im Ruhrgebiet: 0,5–0,7 %
  • Ostdeutsche Mittelstädte: 0,5–0,8 %

Was sagt die Regel wirklich aus?

Die 1-Prozent-Regel bei Immobilien: Was sie bedeutet und ob sie noch gilt

Die 1-%-Regel ist ein schneller Filter – kein Kaufurteil. Sie sagt: Ist das Mietverhältnis zum Preis grob attraktiv? Sie sagt NICHT:

  • Ob das Objekt nach Kosten noch positiven Cashflow hat
  • Ob der Standort wächst oder schrumpft
  • Ob bauliche Mängel vorliegen

Bessere Kennzahl: Die Nettorendite

Für einen echten Vergleich nutze die Nettorendite – sie berücksichtigt Nebenkosten, Verwaltung, Instandhaltung und Leerstand. Unser Nettorendite-Rechner gibt dir das realistische Bild. Auch hilfreich: Kaufpreisfaktor-Rechner und Bruttorendite-Rechner.

Die 1-Prozent-Regel in der deutschen Praxis

Die 1-Prozent-Regel bei Immobilien: Was sie bedeutet und ob sie noch gilt

Die 1-Prozent-Regel stammt ursprünglich aus dem amerikanischen Immobilienmarkt und besagt: Die monatliche Bruttomiete sollte mindestens 1 Prozent des Kaufpreises betragen. Bei einem 100.000-Dollar-Objekt also mindestens 1.000 Dollar monatlich. Übertragen auf Deutschland bedeutet das: Eine 200.000-Euro-Wohnung muss mindestens 2.000 Euro Monatsmiete erzielen – das entspricht 12 Prozent Bruttorendite. Das ist in Deutschland außer in einzelnen Extremsituationen kaum erreichbar. Ein realistischerer Schwellenwert für Deutschland ist die 0,5-Prozent-Regel: Monatsmiete = mindestens 0,5 Prozent des Kaufpreises, also 4 Prozent Bruttorendite als Minimum. Wer diese Hürde nimmt, kauft kein offensichtliches Verlustgeschäft. Rendite prüfen.

Immobilien vs. andere Kapitalanlagen

AnlageformRendite Ø p.a.RisikoLiquidität
Immobilien (vermietet)3–6 % nettomittelsehr gering
ETF-Depot (MSCI World)6–9 % historischmittel-hochsehr hoch
Tagesgeld 2026ca. 2,5 %sehr geringsofort
Festgeld (2 Jahre)ca. 2,8–3,2 %sehr geringgering
REITs (Immobilien-ETF)4–7 %mittelhoch

Die Renditelandschaft in Deutschland hat sich seit 2020 stark verändert. Während Metropolen wie München und Hamburg weiterhin Nettomietrenditen von unter 3 % bieten, erfahren B-Städte wie Leipzig, Nürnberg und Dresden eine Renaissance unter Kapitalanlegern. Der Rückgang der Kaufpreise 2022/23 hat die Einstiegsbedingungen verbessert — wer in dieser Phase gekauft hat, profitiert heute von besseren KPFs. Für 2026 gilt: Rendite-Fokus auf B-Städte mit Bevölkerungswachstum, nicht auf teure Metropolen mit negativem Cashflow.