Du hast gespart und kannst dir eine Wohnung leisten. Jetzt die entscheidende Frage: Einziehen oder vermieten? Die Antwort hängt von deiner Situation, deinen Zielen und dem Markt ab.

Argumente für Eigennutzung

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Mietpreisbremse: max. 10 % über Mietspiegel bei Neuvermietung (Stand: April 2026)
  • Kappungsgrenze Mieterhöhung: 20 % in 3 Jahren (ggf. 15 %) (Stand: April 2026)
  • Mietkaution: max. 3 Nettokaltmieten (Stand: April 2026)
  • Kündigungsfrist Vermieter (> 8 J.): 9 Monate (Stand: April 2026)
  • Betriebskostenabrechnung: spätestens 12 Monate nach Periode (Stand: April 2026)
Selbst nutzen oder vermieten: Was bringt mehr — Eigennutzung oder Kapitalanlage?
  • Mietfreiheit: Keine Mietzahlungen mehr — das ist wie eine garantierte "Rendite" in Höhe der eingesparten Miete
  • Gestaltungsfreiheit: Du entscheidest, wie du lebst — keine Vermieter-Genehmigungen
  • Steuerfreier Verkauf: Nach 2 Jahren Eigennutzung steuerfrei verkaufbar (statt 10 Jahre bei Vermietung)
  • Keine Mieter-Risiken: Keine Mietausfälle, kein Mietrecht-Stress
  • Inflationsschutz: Du zahlst einen fixen Kredit, keine steigende Miete

Argumente für Vermietung als Kapitalanlage

Selbst nutzen oder vermieten: Was bringt mehr — Eigennutzung oder Kapitalanlage?
Praxis-Tipp

Dokumentieren Sie den Wohnungszustand bei Einzug lückenlos mit Fotos und einem unterschriebenen Übergabeprotokoll. Im Streitfall gilt: Wer keinen Beweis hat, trägt das Risiko. Normale Abnutzung (Kratzer, verblasste Tapeten) zahlt grundsätzlich der Vermieter — nicht der Mieter.

  • Steuervorteile: AfA, Zinsen, Werbungskosten absetzbar — bei Eigennutzung nicht
  • Hebeleffekt: Fremdkapital arbeitet für dich — Mieter tilgen deinen Kredit
  • Flexibilität: Du kannst woanders wohnen, mietest günstiger — oder hast mehr Kapital in anderen Anlagen
  • Portfolio-Aufbau: Vermietung ermöglicht mehrere Objekte; Eigennutzung ist ein Objekt

Rechenbeispiel: 400.000 Euro Wohnung in München

Selbst nutzen oder vermieten: Was bringt mehr — Eigennutzung oder Kapitalanlage?

Szenario Eigennutzung: Du sparst 1.800 Euro Miete/Monat = 21.600 Euro/Jahr. "Rendite" auf 400.000 = 5,4 %. Kein Steuerabzug, aber auch kein Mieterrisiko.

Szenario Vermietung: 1.800 Euro Miete, AfA + Zinsen reduzieren Steuerlast um ca. 5.000 Euro/Jahr. Aber: Du zahlst selbst Miete irgendwo anders (z.B. 1.200 Euro = günstigere Wohnung). Netto-Vorteil: ca. 600 Euro/Monat + Steuervorteil.

Wann Eigennutzung besser ist

Selbst nutzen oder vermieten: Was bringt mehr — Eigennutzung oder Kapitalanlage?
  • Du willst langfristig an einem Ort leben (10+ Jahre)
  • Die Mieterspannis liegt über deiner alternativen Miete
  • Du hast kein Interesse an Vermieter-Aufgaben
  • Du willst im Alter mietfrei leben

Wann Vermietung besser ist

  • Dein Job erfordert Mobilität
  • Du kannst günstiger zur Miete wohnen
  • Du willst mehrere Objekte aufbauen
  • Du hast hohen Grenzsteuersatz (Steuervorteile maximal)

Nutze unseren Nettorendite-Rechner für das Vergleichs-Szenario. Mehr zur Portfolio-Strategie: Portfolio diversifizieren.

Die Steuer macht den Unterschied

Selbst nutzen oder vermieten: Was bringt mehr — Eigennutzung oder Kapitalanlage?

Vermieter können Zinsen, AfA, Nebenkosten und Verwaltungskosten steuerlich absetzen — das verbessert die Nachsteuerrendite erheblich. Eigennutzer haben diese Vorteile nicht, profitieren aber von der Mietfreiheit. Bei hohem Steuersatz (42 %) kann Vermieten durch die Steuerersparnis 30–50 % attraktiver werden als es auf den ersten Blick aussieht.

Pragmatischer Ansatz für Unentschlossene: Kaufe mit dem Gedanken "ich könnte hier auch selbst einziehen". Dann behältst du Flexibilität — 3 Jahre Eigennutzung vor dem Verkauf befreit von Spekulationssteuer. Nutze unseren Nettorendite-Rechner für den konkreten Vergleich und mehr zum Thema: Spekulationsfrist bei Immobilien.

Mieter korrekt auswählen — der Prozess

  1. Schritt 1: Exposé schalten: Zielgruppe definieren (Familien, Singles, Studenten)
  2. Schritt 2: Bewerbungsunterlagen anfordern: Schufa, Einkommensnachweise (3 Monate), ggf. Bürgschaft
  3. Schritt 3: Bonitätsprüfung durchführen: Einkommen mindestens 3× Kaltmiete
  4. Schritt 4: Übergabeprotokoll lückenlos erstellen: Fotos + Unterschrift beider Parteien
  5. Schritt 5: Mietvertrag rechtssicher gestalten: aktuelles Muster von Vermieterverbänden nutzen

Mieterhöhungs-Optionen im Überblick

MethodeMaximale ErhöhungVoraussetzung
Vergleichsmiete (§ 558 BGB)20 % in 3 Jahren (Kappungsgrenze)Mietspiegel/Vergleichswohnungen
Modernisierungsumlage (§ 559 BGB)8 % der Modernisierungskosten p.a.Ankündigung 3 Monate vorher
Staffelmiete (§ 557a BGB)Frei vereinbar, aber Mietpreisbremse beachtenSchriftliche Vereinbarung
Indexmiete (§ 557b BGB)Gekoppelt an VerbraucherpreisindexSchriftliche Vereinbarung

Das deutsche Mietrecht schützt Mieter stark — aber Vermieter haben bei korrekter Vorgehensweise deutlich mehr Rechte als oft gedacht. Die WEG-Reform 2020 hat Modernisierungen einfacher gemacht. Die Mietpreisbremse bleibt 2026 in den meisten Ballungsräumen aktiv. Der größte Fehler vieler Vermieter: unzureichende Dokumentation. Wer Einzugsprotokoll, Bonitätsprüfung und Mietvertrag korrekt aufsetzt, hat im Streitfall fast immer die besseren Karten.