Immobilien im Ausland kaufen: Was deutsche Investoren wissen müssen

Auslandsimmobilien locken mit günstigeren Preisen, Sonne und Urlaubsnutzung. Aber sie bringen steuerliche und rechtliche Komplexität, die viele unterschätzen. Wer gut vorbereitet ist, findet attraktive Chancen — wer ohne Vorbereitung kauft, erlebt böse Überraschungen.

Steuerliche Grundregel: Wo wird besteuert?

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • AfA Normgebäude (ab 1925): 2,0 % p.a. über 50 Jahre (Stand: April 2026)
  • AfA Denkmal: 9 % (8 Jahre) + 7 % (4 Jahre) (Stand: April 2026)
  • Spekulationssteuer: entfällt nach 10 Jahren Haltedauer (Stand: April 2026)
  • Grunderwerbsteuer: 3,5 % (BY) bis 6,5 % (NRW, BRB) (Stand: April 2026)
  • Werbungskosten pauschal: 1.000 €/Jahr ohne Einzelnachweis (Stand: April 2026)
Immobilien im Ausland kaufen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Portugal

Immobilien-Einkünfte werden grundsätzlich im Land besteuert, in dem die Immobilie liegt (Belegenheitsprinzip). Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) verhindert, dass du zweimal zahlen musst. In Deutschland wird die ausländische Immobilie aber trotzdem in die Steuerberechnung einbezogen: "Progressionsvorbehalt". Das kann deinen deutschen Steuersatz erhöhen auch wenn du keine deutschen Steuern auf die Auslandsimmobilie zahlst.

Österreich: Fast wie Deutschland

Immobilien im Ausland kaufen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Portugal
Praxis-Tipp

Die 15-%-Regel beachten: Investieren Sie in den ersten 3 Jahren nach Kauf nicht mehr als 15 % des Gebäude-Kaufpreises in Renovierungen, sonst werden die Kosten zu anschaffungsnahen Herstellungskosten — und Sie verlieren den sofortigen Steuerabzug. Bei Zweifel: Steuerberater fragen.

Österreich ist für deutsche Investoren am einfachsten: ähnliches Rechtssystem, keine Sprachbarriere. Kaufpreis Wien: 5.000–8.000 Euro/m² — teurer als viele deutsche Städte, aber weiter gestiegen. Graz: 3.000–5.000 Euro/m² — interessanter für Rendite-Investoren. Grunderwerbsteuer Österreich: 3,5 % — günstiger als in vielen deutschen Bundesländern.

Portugal: Golden Visa und Steuervorteile

Immobilien im Ausland kaufen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Portugal

Portugal hat eine starke Attraktivität für deutsche Investoren: Lissabon und Porto sind echte Wachstumsstädte. Das NHR-Steuerprogramm (Non-Habitual Resident) bietet 10-jährige Steuervorteile für Neuzuzügler. Golden Visa (Investition ab 500.000 Euro) ermöglicht EU-Aufenthaltsrecht. Risiko: Preise in Lissabon sind stark gestiegen, Renditen in A-Lagen unter 4 %.

Was generell zu beachten ist

Immobilien im Ausland kaufen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Portugal

Lokaler Rechtsanwalt ist Pflicht — niemals ohne. Grundbuchrecht und Eigentumsübertragung funktionieren anders. Finanzierung im Ausland ist schwieriger und teurer. Verwaltung aus der Ferne braucht lokale Property Manager. Wechselkursrisiko bei Nicht-Euro-Ländern. Für eine erste Renditerechnung: Bruttorendite-Rechner.

Spanien als weitere Option für Deutsche

Spanien (besonders Costa del Sol, Barcelona, Madrid) ist für viele Deutsche die erste Wahl bei Auslandsimmobilien. Die Grunderwerbsteuer liegt je nach Region bei 6–10 %. Kaufpreise in Top-Lagen: 2.500–6.000 Euro/m². Vermietungsrenditen auf Ferienimmobilien: 4–7 % brutto. Risiko: Lokale Vermietungsregulierung nimmt zu, besonders in Barcelona und Madrid. Immer lokalen Anwalt einschalten der aktuelle Regulierungen kennt. Für die Renditerechnung: Bruttorendite-Rechner.

Die wichtigste Faustregel für Auslandsimmobilien: Kaufe nur wenn du das Land kennst, die Sprache zumindest grundlegend beherrschst und du dir vorstellen kannst, das Objekt regelmäßig zu besuchen. Eine Immobilie in Portugal oder Spanien aus der Ferne zu verwalten ohne persönliche Ortskenntnis ist ein riskantes Unterfangen. Das gilt selbst dann wenn du einen lokalen Property Manager einsetzt.

Wichtige Infos für Käufer: Grunderwerbsteuer nach Bundesland | AfA-Abschreibung

Weitere Steuer-Themen: Alle Steuer-Abzüge | Anlage V Tipps

Steuerliche Optimierung: Chancen und Risiken

Immobilien im Ausland kaufen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Portugal
VorteileNachteile
✓ AfA senkt Steuerlast jährlich✗ Steuerstundung, keine Steuerfreiheit
✓ Werbungskosten sofort absetzbar✗ Anschaffungsnahe Kosten müssen aktiviert werden
✓ Verluste aus V+V verrechenbar✗ Bei Verkauf: mögliche Steuerfreiheit erst nach 10 J.
✓ Denkmal-AfA bis 12 % p.a.✗ Denkmalschutzauflagen erhöhen Kosten
✓ GbR/GmbH für Steuerstrategie✗ GmbH: höherer Verwaltungsaufwand

AfA-Vergleich: Welche Immobilie bringt mehr Steuerersparnis?

ImmobilientypAfA-SatzLaufzeitSteuervorteil bei 100.000 € Gebäudewert
Normgebäude (Bj. ab 1925)2,0 %/Jahr50 Jahre2.000 €/Jahr × Steuersatz
Älteres Gebäude (Bj. vor 1925)2,5 %/Jahr40 Jahre2.500 €/Jahr × Steuersatz
Denkmal (§ 7i EStG)9 % (8J) + 7 % (4J)12 Jahrebis 9.000 €/Jahr × Steuersatz
Neubau ab 2023 (§ 7b EStG)5 %/Jahr20 Jahre5.000 €/Jahr × Steuersatz

Das Steuerrecht für Vermieter hat sich 2023/24 an mehreren Stellen geändert: Der neue AfA-Satz von 5 % für Neubauimmobilien (§ 7b EStG) macht Neubauten steuerlich wieder attraktiver. Gleichzeitig verschiebt die ökologische Lenkung (GEG 2024, Heizungsgesetz) Sanierungskosten nach vorne — die mit entsprechenden KfW-Förderungen aber gut abgefedert werden können. Grundsätzlich gilt: Steuerliche Optimierung ja, aber niemals eine schlechte Immobilie aus Steuergründen kaufen.