Immobilien-Crowdinvesting ermöglicht es, bereits ab 500 € in Immobilienprojekte zu investieren. Ohne Kredit, ohne Notartermin, ohne Grundbuch. Klingt attraktiv – aber was steckt dahinter?
Wie funktioniert Immobilien-Crowdinvesting?
- Durchschnittliche Nettomietrendite DE: 3,2 % (2026) (Stand: April 2026)
- Gute Rendite ab: 4,0 % netto (Stand: April 2026)
- Kaufpreisfaktor Deutschland-Ø: 23,4x (Stand: April 2026)
- Leerstandsquote bundesweit: 2,8 % (Stand: April 2026)
- Inflationsschutz: Immobilien langfristig +1,5 % real p.a. (Stand: April 2026)

- Projektentwickler oder Bestandshalter benötigen Kapital
- Sie stellen Projekte auf Plattformen (Exporo, Bergfürst, Conda etc.) ein
- Privatinvestoren finanzieren per Nachrangdarlehen oder Anleihe
- Zinsen werden jährlich oder am Laufzeitende ausgezahlt (2–4 Jahre)
- Nach Projektabschluss (Verkauf oder Refinanzierung) erfolgt Rückzahlung
Renditen bei Crowdinvesting
Rechnen Sie immer mit der Nettorendite, nicht mit der Bruttomietrendite. Die tatsächlichen Kosten (Verwaltung ca. 5 %, Instandhaltung 1 €/m²/Monat, Leerstand 3 %) fressen 1–2 Prozentpunkte. Wer nur die Bruttorendite betrachtet, kauft oft schlechter als gedacht.
| Projekttyp | Typische Rendite | Laufzeit |
|---|---|---|
| Neubau-Entwicklung | 6–9 % p.a. | 12–36 Monate |
| Bestandshaltung | 4–6 % p.a. | 24–60 Monate |
| Brückenfinanzierung | 7–10 % p.a. | 6–18 Monate |
Die echten Risiken

- Nachrangdarlehen: Im Insolvenzfall werden andere Gläubiger zuerst bedient – Totalverlustrisiko!
- Keine Einlagensicherung: Anders als Bankguthaben nicht geschützt
- Projektrisiko: Bauverzögerungen, Kostensteigerungen können Rendite gefährden
- Illiquidität: Geld ist für die Laufzeit gebunden, kein vorzeitiger Ausstieg
- Plattformrisiko: Was passiert, wenn die Plattform pleitegeht?
Bekannte Plattformen in Deutschland
- Exporo: Größte DE-Plattform, Neubau und Bestand
- Bergfürst: Wohnimmobilien, konservativere Projekte
- Zinsbaustein: Auf Wohnimmobilien spezialisiert
Wichtig: Plattform-Gebühren und Qualität der Projekte stark variieren. Immer Exposé und Jahresabschlüsse des Projektentwicklers prüfen.
Für wen eignet sich Crowdinvesting?
- Anleger, die Immobilien-Exposure ohne Direktkauf wollen
- Ergänzung zu ETF-Portfolio (höhere Rendite, anderes Risikoprofil)
- Investoren mit kleinem Kapital (ab 500–1.000 €)
- Nicht geeignet: Als einzige Anlageform oder für Risikoaverse
Fazit
Crowdinvesting ist eine interessante Beimischung – aber kein Ersatz für direktes Immobilien-Investment. Die Risiken sind real, insbesondere das Nachrangrisiko. Diversifiziere über mehrere Projekte und Plattformen. Für den direkten Kauf: Erste Immobilie kaufen und Nettorendite-Rechner.
Crowdinvesting: Erfahrungen aus der Praxis
Wer in deutschen Immobilien-Crowdinvesting-Plattformen der ersten Generation investierte, hat gemischte Erfahrungen gemacht. Die Plattform Zinsland zum Beispiel wurde insolvent. Andere Plattformen verzeichneten Ausfälle bei 10 bis 30 Prozent ihrer Projekte in den Jahren 2020 bis 2023. Das zeigt: Die schönen Rendite-Versprechen von 6 bis 8 Prozent p.a. kommen nicht ohne Grund.
Das grundlegende Problem des Crowdinvestings bleibt das Nachrangdarlehen. Im Insolvenzfall wird zuerst die Bank bedient, dann erst die Kleinanleger. Bei typischen Projekten mit 80 Prozent Bankfinanzierung und 20 Prozent Eigenkapital bleibt für Crowdinvestoren nach Bankbefriedigung oft nichts übrig.
Trotzdem gibt es sinnvolle Verwendungsfälle: Wer seine Immobilienexposition diversifizieren will, ohne weitere Direktinvestitionen einzugehen, kann 5 bis 10 Prozent seines Anlageportfolios in Crowdinvesting-Projekte stecken. Der Schlüssel: breit streuen, nur bewährte Plattformen nutzen, Developer-Track-Record prüfen, keine Projektkonzentration über 1.000 Euro.
Steuerlich sind Zinsen aus Crowdinvesting Kapitalerträge – unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Das reduziert die Nettorendite von nominell 7 Prozent auf reale 5,2 Prozent. Damit verglichen: Eine gute Direktimmobilie mit AfA-Vorteil kann effektiv rentabler sein. Mehr: Alternative: REITs und Immobilienaktien.
Immobilien vs. andere Kapitalanlagen
| Anlageform | Rendite Ø p.a. | Risiko | Liquidität |
|---|---|---|---|
| Immobilien (vermietet) | 3–6 % netto | mittel | sehr gering |
| ETF-Depot (MSCI World) | 6–9 % historisch | mittel-hoch | sehr hoch |
| Tagesgeld 2026 | ca. 2,5 % | sehr gering | sofort |
| Festgeld (2 Jahre) | ca. 2,8–3,2 % | sehr gering | gering |
| REITs (Immobilien-ETF) | 4–7 % | mittel | hoch |
Die Renditelandschaft in Deutschland hat sich seit 2020 stark verändert. Während Metropolen wie München und Hamburg weiterhin Nettomietrenditen von unter 3 % bieten, erfahren B-Städte wie Leipzig, Nürnberg und Dresden eine Renaissance unter Kapitalanlegern. Der Rückgang der Kaufpreise 2022/23 hat die Einstiegsbedingungen verbessert — wer in dieser Phase gekauft hat, profitiert heute von besseren KPFs. Für 2026 gilt: Rendite-Fokus auf B-Städte mit Bevölkerungswachstum, nicht auf teure Metropolen mit negativem Cashflow.



